Streuobstwiese 'Knöll' in Stapel

Panorama der Streuobstwiese

Streuobstwiesen

Streuobstwiesen sind ein altes, historisches Kulturgut in Deutschland, in Schleswig-Holstein aber nur in Ausnahmefällen zu finden. In Mittel- und Süddeutschland wurden sie am Rande der Dörfer angelegt, da die Ortslage meistens zu beengt war. In Stapelholm, wie auch anderswo in Schleswig-Holstein, gehörte statt der Streuobstwiese der sogenannte Apfelhof zur Grundausstattung der Bauernhöfe und war in unmittelbarer Hofnähe gelegen. Die Besitzer versorgten sich aus diesen Beständen günstig mit Frischobst. Zugleich konnten sie den Grasertrag des Apfelhofes nutzen. Die Intensivierung der Landwirtschaft, Flurbereinigung und zunehmende innerörtliche Verbauung haben diese Apfelhöfe zurückgehen lassen. Außerdem ist heute Obst rund ums Jahr in jedem Supermarkt verfügbar. Früher gab es diese Möglichkeit nicht. Die Apfelhöfe, auf denen auch Birnen, Mirabellen, Kirschen, Quitten und Pflaumen standen, waren eine wertvolle Vitaminquelle und Basis für viele regionale Gerichte. Man erntete eigenes Obst sortenreich, ungespritzt und direkt vor der Haustür. Was man an Frischobst nicht benötigte, konnte zu Fruchtsaft und Dörrobst verarbeitet werden. Die Grasfläche unter den Obstbäumen wurde beweidet oder gemäht; das Mähgut vielfach als Grünschnitt sofort verfüttert. Aber nicht nur die Bauernfamilie nutzte den Apfelhof, eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten hatten hier ihren Lebensraum. Der Blütenflor der Obstbäume lockte im Frühjahr zahlreiche Insekten als Bestäuber an. Die Bienenweide ernährte ganze Hummel- und Bienenvölker, aber auch Wildbienen. Schmetterlinge finden hier Nahrungspflanzen für ihre Raupen oder saugen im Herbst an faulendem Obst. Die Borke der Bäume beheimatet Käfer und Spinnen. Herabgefallenes Obst wird von Igel und Rehwild gleichermaßen gern gefressen. Alte Obstbäume bieten häufig Bruthöhlen für große und kleine Vogelarten. Star, Meisen, Rotschwanz und Kleiber finden hier Brut- und Jagdreviere. Grün- und Buntspecht hämmern ihre Bruthöhlen in dicke Bäume. Dort nden auch eventuell der seltene Steinkauz und Fledermäuse ein Quartier.

Über diese Streuobstwiese

Die ersten Obstbäume wurden hier im Jahr 2007 auf dem Areal der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein gepflanzt, der Bestand 2017 nach einigen Abgängen ergänzt und auf 24 Bäume erweitert.
Der karge Sandboden der Geest sowie das raue Klima verhindern, dass, anders als in den großen Obstanbaugebieten im Süden Deutschlands, hochstämmige Bäume mit großen Kronen heranwachsen. Dementsprechend fällt der Ertrag geringer aus.

Die Bienenvölker auf der Streuobstwiese

Ein ortsansässiger Imker hat auf der Streuobstwiese Kästen mit mehreren Honigbienenvölkern aufgestellt, welche für die Befruchtung der Apfelblüten sorgen. 40 000 bis 60 000 Bienen pro Volk liefern im Jahr ca. 30 kg Honig. Im Herbst sterben viele Arbeiterinnen; die Drohnen (Männchen) werden aus dem Stock vertrieben und das Volk schrumpft auf 10 000 Tiere. Neben der Bestäubung der Obstbäume sammeln die Bienen auch Honigtau (Ausscheidungen von Blattläusen) von Fichten, Eichen, Weiden und anderen Baumarten und besorgen die Bestäubung der umliegenden Rapsfelder, in denen sie Nektar und Pollen sammeln.

Alte Apfelsorten auf der Streuobstwiese

(Rot: Neupflanzungen Hochstämme im März 2019)

  • Celler Dickstiel (2017)
  • Danziger Kantapfel (2017)
  • Finkenwerder Herbstprinz (Herbst 2017)
  • Gelber Richard (2017)
  • Goldrenette von Blenheim (2017)
  • Goldparmäne (2017)
  • Grahams Jubiläumsapfel (2017)
  • Gravensteiner (2017)
  • Haldener Rotfranch (2019)
  • Hammerschmidts Graurenette
  • Hans-Friedrich-Apfel
  • Holsteiner Cox (2017)
  • Ingrid Marie (2017)
  • Jakob Lebel (2017)
  • Jessenapfel
  • Juwel von Kirchwerder
  • Kaiser Wilhelm (2017)
  • Kneebusch (2017)
  • Meldorfer Schulgartenapfel
  • Pommerscher Krummstiel (2017)
  • Rote Sternrenette (laut Apfelbestimmung der Husumer Baumschule)
  • Schaalbyer Rosen
  • Schneiderapfel
  • Signe Tillisch (2019)
  • Stahls Winterprinz (2017)
  • Weißer Klarapfel (2019)
  • Weißer Winterglockenapfel (2019)

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Die Erstellung der Schautafeln wurde von der
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