Weben lernen im
Bargener „Stapelholm-Huus“

„Schnurr“ - der an einem Seil hängende, mit Metallspitzen bewehrte „Wurfschütze“ saust durch die aufgespannten Kettfäden des Webstuhls.
„Klapp“ – der Faden wird mit der „Lade“ an das bereits fertig Gewebte angeschlagen. Immer im Wechsel: „Schnurrklapp, schnurr-klapp“; gleichmäßig, rhythmisch und irgendwie beruhigend. Auf eine bestimmte Weise sogar meditativ.
Imke Henze gibt im Stapelholm-Huus in Bargen Webkurse. Sie kommt aus dem Raum Hannover, ist Schneiderin und zusätzlich ausgebildete Handweberin. „Das Weben ist sehr interessant als Gegenbewegung zur heutigen technisierten Welt mit ihrer Schnelllebigkeit“, sagt sie. Es ist ein traditionelles, altes Handwerk: „Ich halte es lebendig und kann das Wissen darum weitergeben“, freut sie sich.

Imke Henze
Imke Henze am großen Webstuhl
 


Webkurse werden im Allgemeinen nicht allzu häufig angeboten; deshalb werden sie auch gern angenommen, wenn sie denn angeboten werden: Imke Henze gibt Webkurse seit dem Jahre 2008. „Viele Menschen sind gern kreativ und wollen etwas für sich lernen. Sie brauchen einen Ausgleich zur täglichen Tretmühle des Berufslebens.“
Das Schöne daran ist: Wer einen Webkurs besucht hat, hat die Vorgehensweise anschließend „intus“ und kann selbstständig weiterweben. Klug ist auch der Grundgedanke, der die Webstube im Stapelholm-Huus trägt: Sie soll immer mit Leben erfüllt sein. Wenn der „Förderverein Landschaft Stapelholm“ im Stapelholm - Huus tagt, kann die Webstube im Obergeschoss zum eigenständigen Weiterweben genutzt werden. Neubespannungen der Webstühle sollten aber mit Imke Henze abgesprochen werden. Das imposante Herzstück der Webstube sind zwei sehr alte, ein wenig „knorrige“, aber nach ihrer Restaurierung voll funktionsfähige Flachwebstühle aus dem Erbe der Erfder Weberin Käthe Schlichting. Sie webte nach dem Kriege Rockstoffe, Tischdecken, Handtücher, Kissen und Oberbekleidung, erledigte aber auch Auftragsarbeiten. Sie schloss ihre Webstube in den 1960er Jahren.

Kurs in der Webstube
Kurs in der Webstube
 

Die Webstühle aber leben weiter mit ihrem ewigen „schnurrklapp“ und haben Gesellschaft bekommen: Insgesamt kann an acht Plätzen, unter anderem an zwei weiteren, kleinen Flachwebstühlen, an Webrahmen und Webgurten das Weben erlernt werden. Die 90 Zentimeter breite „Teppichkette“ in einem der großen Webstühle hat Imke Henze mit Rita Framke vom Förderverein Landschaft Stapelholm gemeinsam aufgespannt. Das ist nicht im Handumdrehen getan: „Dafür braucht man etwa sieben bis acht Stunden.“ Webkurse kommen bei Menschen zwischen Mitte 30 und Ende 60 gut an, sogar bei Männern – wenn auch nur ausnahmsweise. Aber dennoch: „Man sieht, dass man etwas schafft und kann etwas Fertiges aus dem Kurs mit nach Hause nehmen.“

Text und oberes Foto Sonja Wenzel - Friesenanzeiger